Im Vergleich zu China und den Vereinigten Staaten hinkt Europa im Bereich des autonomen Fahrens (d. h. bei Elektroautos) noch hinterher – in diesen beiden Ländern sind selbstfahrende Autos bereits in den kommerziellen Betrieb übergegangen. Daher muss Europa seine eigenen Carsharing-Dienste entwickeln, ohne sich auf ausländische Unternehmen zu verlassen, die technologisch führend sind. Das Ziel besteht darin, die durchschnittliche Auslastung der Fahrzeuge auf den Straßen zu erhöhen, ein integriertes System für alle zu schaffen und den größtmöglichen gesellschaftlichen Nutzen aus selbstfahrenden Autos zu ziehen. Kurz gesagt: Der Entwicklung von Verkehrsdiensten, die der Gesellschaft zugutekommen, sollte Vorrang eingeräumt werden, anstatt sich ausschließlich auf individuelle autonome Taxidienste zu konzentrieren.

Verlangsamung des Fortschritts in Europa; Frankreich schlägt Alarm
Der Hohe Rat für Planung und Strategie warnt davor, dass Europa bei der Entwicklung selbstfahrender Autos den Anschluss verpasst. Das wird nach der Lektüre des Berichts von Thomas Matani, dem Geschäftsführer des Start-ups „Ecover“, deutlich. Derzeit sind nur wenige Dutzend selbstfahrende Autos auf den Straßen der EU-Länder unterwegs, und zwar ausschließlich in bestimmten Städten und meist nur im Rahmen von Kurzzeitversuchen. Im Gegensatz dazu ist diese Technologie in China und den Vereinigten Staaten längst eine etablierte kommerzielle Realität: Die Öffentlichkeit kann selbstfahrende Fahrzeugdienste frei nutzen, und die Unternehmen, die diese Dienste betreiben, expandieren und erzielen steigende Gewinne (in China sind die Kosten für manche Fahrten mit selbstfahrenden Fahrzeugen sogar niedriger als die für Taxis). Ohne einen Aktionsplan läuft Europa Gefahr, innerhalb weniger Jahre zu einer „digitalen Kolonie“ zu werden. Die Europäer wären gezwungen, sich für eine sichere Mobilität vollständig auf diese ausländischen Unternehmen zu verlassen, während gleichzeitig ihre Mobilitätsdaten ausgenutzt würden. Mit anderen Worten: Dies würde einen Verlust der Souveränität im Verkehrsbereich bedeuten.

Autonomes Fahren für alle
Thomas Matani erklärt jedoch, dass „das autonome Fahren für alle gedacht ist“. Privatfahrzeuge machen 81 % der Gesamtstrecke aus, die die Franzosen jährlich zurücklegen. Die durchschnittliche Anzahl der Insassen in einem Fünfsitzer-Pkw liegt bei allen Fahrten bei nicht mehr als 1,6 Personen pro Fahrzeug und bei Fahrten zur Arbeit sogar unter 1,07 Personen. Die geringe Auslastung ist ebenfalls ein Schwachpunkt: Im Durchschnitt ist das Auto nur 5 % der Zeit in Betrieb.
Das Aufkommen selbstfahrender Autos bietet uns somit die Gelegenheit, die Nutzung des Autos als Verkehrsmittel neu zu überdenken. Tatsächlich liegt der Hauptvorteil selbstfahrender Autos in der Möglichkeit ihrer gemeinsamen Nutzung (Shared Autonomous Vehicles, SAV). In Europa könnten sie als Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs betrachtet werden.

Es zeichnen sich erste Anzeichen einer Koordinierung auf europäischer Ebene ab
Am 8. Juni werden die Verkehrsminister der 27 EU-Mitgliedstaaten ein Abkommen unterzeichnen, das auf eine enge Zusammenarbeit zur Förderung der Einführung und Verbreitung selbstfahrender Autos abzielt. Dies ist ein erster Schritt zur Schaffung eines umfassenden europäischen Rahmens und zur Harmonisierung von Vorschriften und Infrastruktur. Für diese Initiative gibt es zahlreiche Gründe:
– Verkehrssicherheit: Selbstfahrende Autos sollten dazu beitragen, die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken
– Aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Lösung attraktiver geworden. So führt Waymo beispielsweise in den Vereinigten Staaten wöchentlich 500.000 Fahrten durch
– Mit den Fortschritten im Bereich des maschinellen Lernens ist davon auszugehen, dass die Betriebskosten weiter sinken werden
– Diese Technologie ist ausgereift und bereit für den großflächigen Einsatz. Waymo plant, seine kommerziellen Dienste im Jahr 2026 in London einzuführen, während Pony.ai sich darauf vorbereitet, selbstfahrende Lkw der Stufe 4 in Luxemburg zu testen, und WeRide bereits den Betrieb in Belgien, Spanien und der Schweiz aufgenommen hat.

Von autonomen Taxis bis hin zu Carsharing-Diensten
Der europäische Ansatz unterscheidet sich jedoch möglicherweise von den amerikanischen und chinesischen Modellen, da er sich nicht darauf beschränkt, den Markt für privat betriebene autonome Taxidienste zu öffnen – Dienste, die als Alternative zu herkömmlichen Taxis oder privaten Mietwagen gebucht werden können. Daher schlägt Thomas Matani die Umsetzung einer Strategie vor, die auf die Entwicklung und Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrssystems abzielt, was potenzielle Vorteile mit sich bringen würde.
Nehmen wir zum Beispiel einen 30 Kilometer langen Arbeitsweg im Großraum Nantes. Würde man auf ein System autonomer Fahrzeuge umstellen, das als öffentliches Verkehrsmittel konzipiert ist, würde sich die Zahl der Fahrzeuge auf der Straße täglich um drei Viertel verringern, was jährlich 4 Milliarden Euro einsparen würde. „In unseren Simulationen wird dem öffentlichen Verkehr Vorrang vor dem Individualverkehr eingeräumt, wodurch die Auslastung der selbstfahrenden Fahrzeuge erhöht und somit deren gesellschaftlicher Nutzen maximiert werden kann. Der Fahrzeugverkehr wird nicht mehr individuell nach den Wünschen jedes einzelnen Fahrgastes gesteuert, wie es beim Modell der „autonomen Taxis“ der Fall ist, sondern in Form von öffentlichen Verkehrsdiensten (Busse, Züge usw.) organisiert“, so das Fazit des Berichtsautors.

Vier Hauptbereiche der Entwicklung
Vor diesem Hintergrund werden die folgenden Empfehlungen die Grundlage für die Diskussionen zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bilden:
– Vorbereitung auf den praktischen Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge durch den Ausbau von Verkehrsangeboten in Vororten und ländlichen Gebieten, in denen solche Angebote derzeit fehlen. Dazu gehören beispielsweise die Schaffung von Knotenpunkten zur Anbindung von Fernverkehrslinien, Carsharing-Programmen und Schnellverkehrsnetzen sowie die Einrichtung von Sonderfahrspuren oder vorrangigen Ladeplätzen
– Der Aufbau von zwei oder drei führenden Unternehmen im Bereich des autonomen Fahrens in Europa, um technologische Unabhängigkeit und Souveränität zu gewährleisten. Diese Unternehmen benötigen umfangreiche finanzielle Unterstützung, einschließlich Kapitalinvestitionen und öffentlicher Beschaffungsaufträge, damit sie mit ihren Konkurrenten in China und den Vereinigten Staaten mithalten können.
– Investitionen in die Technologie für Straßenverkehrssysteme und die Vorantreibung ihrer Entwicklung, einschließlich selbstfahrender Fahrzeuge. Tatsächlich lässt sich die Verkehrsinfrastruktur nur durch gemeinsame Anstrengungen aufbauen und verwalten.
– In Frankreich wurden zwischen 5 und 10 Testgebiete ausgewählt – darunter Städte, Vororte und ländliche Gemeinden –, in denen ab 2026 der großflächige Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge erlaubt sein wird, wobei der Staat finanzielle Unterstützung für deren vollständige Integration in die lokalen Verkehrssysteme bereitstellt. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Anstrengungen auf ambitionierte Projekte zu konzentrieren, die das gesamte System umfassen.

Eine neue Initiative
Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Start-ups im Silicon Valley und chinesische Unternehmen neue Technologien auf den Markt bringen, hinkt Europa im Bereich der Forschung und Entwicklung für selbstfahrende Autos bereits hinterher, doch ist dies kein unüberwindbares Hindernis. Die Aufgabe der lokalen Unternehmen besteht nun darin, den ersten Schritt zu machen, festgefahrene Gewohnheiten zu ändern, die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen, den technologischen Fortschritt voranzutreiben und ein europäisches Modell für den Verkehr mit selbstfahrenden Autos zu entwickeln. Da sich diese Technologie noch in den Anfängen befindet, ist diese Herausforderung, so ehrgeizig sie auch sein mag, nicht unerreichbar.






































































