Angesichts sinkender Verkaufszahlen und angesichts der Tatsache, dass der Übergang zur Elektromobilität die traditionellen Einnahmequellen (Wartung und Ersatzteile) schmälert, diversifizieren die Automobilhersteller ihre Geschäftsfelder. Toyota und Hyundai setzen auf Robotik, Tesla konzentriert sich auf Energiespeicherung und künstliche Intelligenz, während der Renault-Konzern sein Angebot an Unterstützungsleistungen für öffentliche Akteure oder die Streitkräfte ausweitet. Beispiele hierfür sind der Twingo cleveR oder der Rafale 4 TROOP, Konzepte für ganz spezifische Einsätze

Ein intelligenter Twingo
Vor einigen Monaten sorgte der 4L Vision Rescue anlässlich der Markteinführung des R4 E-Tech für Aufsehen. Gemeinsam mit der Feuerwehr entwickelt, war er für Renault ein technologisches Vorzeigeprojekt – eine Art fortschrittliche Rettungsstation zur Verbesserung der Effizienz von Notfalleinsätzen, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz und Aufklärungsdrohnen. Heute präsentiert Renault den elektrischen Twingo „cleveR insights“ für kommunale Behörden. Es handelt sich um einen Kleinwagen, der für die Erfassung und Analyse städtischer Daten konzipiert ist und gemeinsam mit Software République (Atos, Thales, Dassault Systems, STMicroelectronics) entwickelt wurde, einem europäischen Kooperationsnetzwerk für sichere und nachhaltige Mobilität.

Mobiles Labor
Ähnlich wie die „Google Cars“, die unsere Straßen kartografieren, funktioniert auch der Twingo cleveR. Als rollendes Labor konzipiert, soll er in der Lage sein, Schäden an der Fahrbahn zu erkennen, Lärm- und Schadstoffwerte zu messen sowie bestimmte Umweltindikatoren wie den Grad der Trockenheit zu bewerten. Ziel: die Kommunen (Rathäuser, Gemeindeverbände, Metropolen…) zu informieren und ihnen zu ermöglichen, schnellere und präzisere Entscheidungen bei der Infrastrukturverwaltung zu treffen und den Service für die Öffentlichkeit zu optimieren.

Spezieller Innenraum
Auf dem Dach und im Kofferraum dieses Elektro-Twingos sind Sensoren, Kameras und Geräte angebracht, die auf künstlicher Intelligenz, Augmented Vision, prädiktiver Analyse und Umgebungssimulation basieren. So kann das Fahrzeug beispielsweise eine ungewöhnliche Ansammlung von Abfällen am Straßenrand erkennen und daraus schließen, dass es sich um eine illegale Müllablagerung handelt, um anschließend die Stadtreinigung schneller zu alarmieren.
Abgesehen von einem auf dem Dach angebrachten Modulträger fällt an diesem Twingo „cleveR insights“ mit weißer Karosserie nichts Besonderes auf. Der Innenraum ist origineller: Das Armaturenbrett und die Verkleidungen sind speziell gestaltet und mit silbernen Einsätzen sowie einigen blauen Akzenten versehen, um das Gesamtbild zu modernisieren. Dieses Konzept ist vorerst nicht für die Serienproduktion vorgesehen, es handelt sich um einen Demonstrator in Originalgröße.

Militär: Renault Rafale und Trafic 4 TROOP
Im Rahmen der Diversifizierungsbemühungen von Renault könnte sich der Militärbereich angesichts der aktuellen geopolitischen Lage weiterentwickeln. Anlässlich der Verteidigungs- und Sicherheitsmesse Eurosatory stellte Renault ein Projekt für die Streitkräfte vor. Konkret handelt es sich um zwei Fahrzeuge aus der aktuellen Modellpalette, die umgerüstet und mit modernster Technologie von Thales ausgestattet wurden (Drohnen, Sensoren, KI-gestützte Werkzeuge). Der SUV Rafale in einer Hybridversion mit Allradantrieb und der Transporter Trafic 4 TROOP, beide in der Tarnfarbe „mattbraun“ lackiert und mit Geländereifen ausgestattet. Der Rafale wird als Mehrzweckfahrzeug präsentiert, das auf die Bedürfnisse der Landstreitkräfte zugeschnitten ist. Seine Scheinwerfer sind durch ein Gitter geschützt, während der Laderaum des Trafic Aufklärungsdrohnen beherbergt. Auf Dachgepäckträgern wird militärisches Einsatzmaterial untergebracht, wodurch die Fahrzeuge zu mobilen Einsatz- und Überwachungsplattformen werden.

Taktische Fahrzeuge
Diese beiden taktischen Fahrzeuge sind Teil des Programms „4 TROOP“ und sollen bei der Entscheidungsfindung, der Koordination vor Ort, der logistischen Unterstützung und der Überwachung sensibler Gebiete helfen. Die Elektrifizierung der Rafale würde es ermöglichen, mit ihrem Vehicle-to-Load-System (V2L) andere Geräte vor Ort mit Strom zu versorgen. Renault stützt sich auf seine operativen Plattformen und seine industriellen Kapazitäten, um agile und schnell einsetzbare Lösungen anzubieten.
Mit diesen drei Konzepten zeigt Renault, dass sein Know-how weit über den Privatkundenmarkt hinausreichen kann. Zwischen intelligenter Mobilität und technologischen Lösungen für das Militär erschließt der französische Hersteller neue Absatzmärkte, in denen sich Konnektivität, Datenanalyse und künstliche Intelligenz vereinen.

Diversifizierung – ein grundlegender Trend
Angesichts der zahlreichen Technologien, die parallel zur Elektrifizierung von Fahrzeugen entwickelt wurden, ist es daher nicht verwunderlich, dass Renault eine Diversifizierung anstrebt. Im militärischen Bereich könnte Volkswagen in Deutschland bestimmte ungenutzte Werke in Industriestandorte für die Rüstungsindustrie umwandeln; dasselbe gilt für Mercedes, das von einem deutschen Rüstungsspezialisten angesprochen wurde, um spezielle Fahrzeuge zu produzieren. Allgemeiner betrachtet werden die Entwicklung von KI-Technologien, Batterien, Sensoren und Software auch außerhalb der Automobilbranche Umsatz generieren. Angesichts sinkender Verkaufszahlen und des zunehmenden Angebots chinesischer Marken bei Elektrofahrzeugen besteht kein Zweifel daran, dass sich die Strategien der traditionellen Hersteller in den kommenden Jahren stark weiterentwickeln werden.

























































