Ampere, ein aus der Renault Group hervorgegangener europäischer Spezialist für intelligente Elektrofahrzeuge, spielt eine Schlüsselrolle in der Innovationsstrategie des Konzerns. Maxime Bayon de Noyer, Leiter für Technologien und Vorlaufprojekte, erläutert uns die Prioritäten, die wichtigsten Forschungsschwerpunkte und die Herausforderungen im Zusammenhang mit der nächsten Generation von Elektrofahrzeugen.

Welche Rolle spielt Ampere innerhalb des Renault-Konzerns, und welche Rolle übernehmen Sie bei Ampere?
Maxime Bayon de Noyer: Ampere ist ein Technologieunternehmen im Dienste der Renault-Gruppe, das Elektrofahrzeuge (EV) unter der Marke Renault entwickelt und EV-Technologien sowie Software für andere Marken (Alpine, Nissan, Mitsubishi…) bereitstellt. Das Ziel von Ampere ist es, Elektrofahrzeuge in Europa einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Meine Aufgabe besteht darin, die sogenannten „vorgelagerten“ Technologieprojekte zu leiten, also… vor der eigentlichen Entwicklung! Wir sind von der Forschungsphase bis zur Übergabe an die Serienentwicklungsteams tätig.
Was sind derzeit Ihre Prioritäten im Bereich Innovation?
Maxime Bayon de Noyer: Um Elektrofahrzeuge in Europa für alle zugänglich zu machen, müssen die Kosten gesenkt und die Einsatzmöglichkeiten maximiert werden. Um die Preise für Batterien zu senken, arbeiten wir daher an den verwendeten Materialien und denken über neue chemische Zusammensetzungen nach. Was die Elektromotoren betrifft, so ist die Renault Group Vorreiter bei Motoren mit gewickelten Rotoren ohne Magnete und somit ohne Seltene Erden (insbesondere beim Zoé). Bei Ampere setzen wir diese Technologie in unseren nächsten Motorengenerationen fort und verbessern sie, um ihre Leistung zu steigern, indem wir beispielsweise die Verluste bei der Energieübertragung verringern.
Welche Ansätze verfolgen Sie konkret, um die Batterien zu verbessern?
MBN: Kurzfristig werden wir die LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) in unseren Batterien einführen, mittelfristig prüfen wir eine kobaltfreie Chemie, die die Energiedichte von NMC (Nickel-Mangan-Kobalt) aufweist, aber die Kosten und die Toleranz von LFP bietet. Schließlich werden wir in zehn Jahren eine noch leistungsfähigere Chemie auf Lithium-Metall-Basis anbieten. Das Ziel ist es, immer effizientere und kostengünstigere Batterien anzubieten.
Was wird Ihrer Meinung nach die nächste große technologische Revolution in der Automobilbranche sein?
MBN: Meiner Ansicht nach wird die Revolution aus einer Veränderung der Nutzungsgewohnheiten resultieren. Das Ziel ist ein effizientes Elektroauto mit schnellen, optimierten und zuverlässigen Lademöglichkeiten, unabhängig von der Jahreszeit oder der Art der Straße. Und das bei einem Preis für das Elektrofahrzeug, der dem eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor entspricht.

Der R5 hat das bidirektionale Laden in das Renault-Sortiment eingeführt. Was ist der Vorteil für den Verbraucher?
MBN: Bei V2L (Vehicle to Load) ermöglicht das bidirektionale Laden, das Auto als Generator und somit als mobile Steckdose zu nutzen, und bei V2G (Vehicle-To-Grid) kann das Fahrzeug, wenn es geparkt ist, Energie ins Netz zurückspeisen, wie ein Mini-Kraftwerk. Diese zurückgespeiste Energie ist in Zeiten hoher Nachfrage wertvoll: Sie stabilisiert das Netz, verhindert Stromausfälle … und kann weiterverkauft werden, wodurch der Nutzer Einnahmen erzielt. Schließlich kann das Fahrzeug im V2H-Modus (Vehicle-to-Home), der ab 2026 verfügbar sein wird, das Haus wie ein mobiles Solarpanel mit Strom versorgen. So lässt sich beispielsweise die in der Batterie gespeicherte Energie zu Spitzenzeiten nutzen, um die Stromrechnung zu senken. Das System wird durch KI gesteuert und gewährleistet stets die für Fahrten erforderliche Reichweite.
Gibt es weitere Innovationen, die Sie uns verraten können?
MBN: Einige davon sind noch vertraulich, aber wir arbeiten derzeit an der Erneuerung unseres C-Segments („Kompaktwagen mit zwei- und dreiteiliger Karosserie“, Anm. d. Red.), mit einem neuen Antrieb, der auf der Autobahn eine sehr gute Effizienz bietet. Dieser Fortschritt wird durch eine innovative Plattform ermöglicht, die ein bahnbrechendes Design und eine umfassende Optimierung erlaubt. Bei Ampere ist unser Ziel klar: Elektrofahrzeuge so erschwinglich, attraktiv und praktisch wie Verbrenner zu machen. Und das ist keine Science-Fiction.
Noch ein Wort zu China: Sind sie wirklich zehn Jahre voraus?
MBN: Sie haben einen Vorsprung, aber wir bleiben voll im Rennen. Unsere Stärke liegt in unserer fundierten Kenntnis des französischen und europäischen Marktes, die wir im Laufe der Jahre erworben haben. Dieses Fachwissen verschafft uns einen strategischen Vorteil, da wir die Erwartungen und Bedürfnisse unserer Kunden genau verstehen. Dennoch bleiben wir angesichts ihrer Effizienz, Organisation und Schnelligkeit bescheiden. In diesem Sinne bleiben wir wachsam und haben ein Büro in Shanghai eröffnet, um die Marktentwicklungen besser beobachten und antizipieren zu können.




