Mit der Markteinführung des neuen C-HR+, seines erfolgreichen Kompakt-SUV, der nun zu 100 % elektrisch betrieben wird, holt Toyota seinen „Rückstand“ auf dem Markt für Elektrofahrzeuge auf. Der weltweit führende Automobilhersteller verfolgt eine vorsichtige Multi-Energie-Strategie und entwickelt verschiedene Technologien, die auf die jeweiligen Märkte zugeschnitten sind. Dieser Plan ermöglicht es ihm, weltweit präsent und stark zu bleiben, seinen Ruf als zuverlässiger Hersteller zu festigen und gleichzeitig sein Know-how in den Bereichen Hybridisierung und Wasserstoffinnovation zu bewahren.

C-HR+, Toyotas zweites Elektrofahrzeug für Privatkunden
Einige Monate nach der Überarbeitung seines elektrischen Familien-SUVs bZ4X (für Beyond Zero 4 Cross) rüstet Toyota seinen Bestseller, den C-HR+ (oder C-HR „BEV“), auf Elektroantrieb um. Dieser 4,53 m lange SUV ist mit Zweirad- oder Allradantrieb sowie zwei Batteriekapazitäten (58 oder 77 kWh) erhältlich, was ihm eine Reichweite von bis zu 607 km im WLTP-Zyklus verleiht. Das Datenblatt listet drei Leistungsstufen auf: 167, 224 oder 343 PS. Das Design und die Verarbeitungsqualität sind sorgfältig ausgearbeitet und dürften potenzielle europäische Kunden ansprechen, zumal der Einstiegspreis (ab 39.600 €) ihn im Wettbewerb mit seinen fortschrittlicheren chinesischen Konkurrenten positioniert. Toyota hat sich mit der Markteinführung Zeit gelassen, doch der C-HR+ ist das Aushängeschild einer Elektro-Modellpalette, die in den kommenden Monaten erweitert werden soll (14 Modelle sind bis 2027 geplant).
Elektrofahrzeuge „Made in Japan“
Dass sich Toyota auf dem Markt für Elektrofahrzeuge bislang zurückhaltend gezeigt hat, liegt in erster Linie daran, dass der Konzern es vorzieht, seine eigenen Produktionsanlagen zu entwickeln, ohne Partnerschaften mit chinesischen Herstellern einzugehen. So entstanden eine spezielle e-TNGA-Plattform (electric Toyota New Global Architecture), ein e-Axle-Antriebsstrang (der Motor, Getriebe und Wechselrichter vereint), der vom japanischen Unternehmen Aisin geliefert wird, sowie Lithium-Ionen-Batterien von PPES (Prime Planet Energy & Solutions), die aus der Partnerschaft zwischen Panasonic und Toyota hervorgegangen sind. Der C-HR+ (genau wie der SUV bZ4X) wird in Japan hergestellt, wo die Produktionsqualität und der Ruf für Zuverlässigkeit unbestritten sind – ein Argument, das Kunden überzeugen dürfte, die noch zögern, den Schritt zur Elektromobilität zu wagen.

2025, ein Rekordjahr in Europa
Dieser sanfte Einstieg in den Markt für Elektrofahrzeuge (BEV) ergänzt die weiteren Stärken des japanischen Giganten, nämlich eine geplante Multi-Technologie-Strategie: Kurzfristig liegt der Schwerpunkt auf Hybrid- und Plug-in-Hybridantrieben, in Erwartung eines steigenden Absatzes von Elektrofahrzeugen und eines Mix aus Elektro- und Wasserstoffantrieben auf längere Sicht.
Dank seiner technischen Kompetenz kann Toyota daher die parallele Weiterentwicklung von Hybridfahrzeugen (HEV), Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEV) und Wasserstofffahrzeugen (Brennstoffzellen-FCEV) vorantreiben. Dabei werden die Verbrennungsmotoren nicht vernachlässigt, mit denen die großen Geländewagen wie der Land Cruiser ausgestattet sind, die in Amerika oder Afrika sehr beliebt sind.
Denn um weltweit führender Automobilhersteller zu bleiben, passt sich die Toyota-Gruppe an alle Märkte an, deren Nachfrage sehr unterschiedlich ist. Im Jahr 2025 verkaufte Toyota weltweit 11,3 Millionen Fahrzeuge (+4,6 % gegenüber 2024). Europa verzeichnet ein Rekordjahr mit 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen, von denen drei Viertel elektrifiziert sind. Diese Zahlen bestätigen diese Multi-Energie-Strategie, da sich die Bedürfnisse je nach Ladeinfrastruktur, Strompreisen, lokalen Umweltstandards und verfügbaren Rohstoffen ändern.

Festkörperbatterien – die nächste „R-Evolution“ im Bereich Elektromobilität bei Toyota
Auf der letzten Tokyo Motor Show im Jahr 2025 gab Toyota bekannt, dass ein kommendes Serienfahrzeug in wenigen Monaten mit „Festkörperbatterien“ (Solid-State-Batterien) ausgestattet sein wird. Diese Technologie, die sich noch im Prototypenstadium befindet, verspricht revolutionäre Neuerungen: leichte, kompakte Akkus, die eine deutlich höhere Energiedichte bieten als aktuelle Lithium-Batterien. Die Reichweite könnte sich verdreifachen und mit einer einzigen Ladung bis zu 1200 km betragen. Dieses Versprechen, das sich erst noch in einem realen Fahrzeug bewähren muss, zeigt, dass der japanische Gigant in seinem eigenen Tempo voranschreitet, seiner Roadmap folgt und sich wenig um seine Konkurrenten schert.

Hybridfahrzeuge – bei Toyota nach wie vor führend
Seit der Markteinführung des Prius im Jahr 1997 hat Toyota weltweit mehr als 25 Millionen Hybridfahrzeuge produziert. Diese innovative Technologie, die einen Benzin- und einen Elektromotor kombiniert, kommt mittlerweile in allen Modellreihen zum Einsatz: vom Kleinwagen Yaris HSD über den RAV 4 und den Corolla bis hin zum Lexus RX, LS oder ES und bald auch im Kleinwagen Aygo X. In Europa haben die Zuverlässigkeit und die einfache Handhabung dieser Technologie die Autofahrer schnell überzeugt, die damit erhebliche Kraftstoffeinsparungen erzielen (etwa 3,3 l/100 km bei einer Kompaktlimousine wie dem Corolla Hybrid).
Die 5. Generation des Prius ist nun ein Plug-in-Hybrid und verzeichnet einen Rückgang des durchschnittlichen Durchschnittsverbrauchs auf 0,7 l/100 km im WLTP-Zyklus. Und wenn die Batterie vollständig entladen ist, funktioniert der Prius wie ein sparsamer Vollhybrid, was bei seinen Konkurrenten nicht der Fall ist. Damit werden die gesetzlichen Anforderungen der EU erfüllt. Auch wenn seine Marktanteile bei den Plug-in-Hybriden noch bescheiden sind, zeigt der japanische Konzern, dass er in der Lage ist, seine Bemühungen um CO₂-Neutralität zu verstärken.
Ein weiterer Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an die Märkte ist die Entwicklung eines Flexfuel-Hybridmotors speziell für Lateinamerika, der sowohl mit Benzin als auch mit dem insbesondere in Brasilien sehr beliebten Superethanol E85 betrieben werden kann.

Wasserstoff, die Energie der Zukunft: Toyota setzt darauf
Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern glaubt Toyota nicht an eine Einheitslösung für die Dekarbonisierung und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit Wasserstoff. Der H2, der eine Brennstoffzelle versorgt, stellt eine glaubwürdige und emissionsfreie Alternative dar, insbesondere für den Straßenverkehr, Busse oder Unternehmensflotten. Die Limousine Mirai, die mit einer kompakteren und effizienteren Brennstoffzelle der 3. Generation ausgestattet ist, hat jedoch aufgrund ihres Preises (73.000 €) und vor allem des Mangels an Wasserstofftankstellen Schwierigkeiten, bei Privatkunden Fuß zu fassen.

Toyota will also mit dem im September 2025 in der japanischen Hauptstadt ins Leben gerufenen Projekt TOKYO H2 das gesamte Ökosystem der Wasserstoffbranche neu gestalten: den Fahrzeugbestand (Taxis, PKWs, Busse), Tankstellen in der ganzen Stadt, die Infrastruktur sowie die Wasserstoffproduktion. Eine Flotte von 600 Crown H2-Taxis soll bis 2030 zunächst auf den Straßen Tokios verkehren. Die Stadt wird so zu einem realen Testfeld, um diese sich ständig weiterentwickelnde Technologie zu perfektionieren und die Öffentlichkeit für diese neue saubere Energie zu sensibilisieren. Als Hub konzipiert, kann dieses Pilotprojekt auch an anderen Orten weltweit umgesetzt werden und weiterhin den Stempel von Toyota tragen.

Der Weltmarktführer hat also seine „multitechnologische“ Eroberung in den 170 Ländern, in denen er vertreten ist, noch nicht abgeschlossen.










