Kategorie: Fachgebiete

  • Toyota, der König der Hybridfahrzeuge, setzt auf eine Multi-Technologie-Strategie

    Toyota, der König der Hybridfahrzeuge, setzt auf eine Multi-Technologie-Strategie

    Mit der Markteinführung des neuen C-HR+, seines erfolgreichen Kompakt-SUV, der nun zu 100 % elektrisch betrieben wird, holt Toyota seinen „Rückstand“ auf dem Markt für Elektrofahrzeuge auf. Der weltweit führende Automobilhersteller verfolgt eine vorsichtige Multi-Energie-Strategie und entwickelt verschiedene Technologien, die auf die jeweiligen Märkte zugeschnitten sind. Dieser Plan ermöglicht es ihm, weltweit präsent und stark zu bleiben, seinen Ruf als zuverlässiger Hersteller zu festigen und gleichzeitig sein Know-how in den Bereichen Hybridisierung und Wasserstoffinnovation zu bewahren. 

    Quelle: Toyota

    C-HR+, Toyotas zweites Elektrofahrzeug für Privatkunden 

    Einige Monate nach der Überarbeitung seines elektrischen Familien-SUVs bZ4X (für Beyond Zero 4 Cross) rüstet Toyota seinen Bestseller, den C-HR+ (oder C-HR „BEV“), auf Elektroantrieb um. Dieser 4,53 m lange SUV ist mit Zweirad- oder Allradantrieb sowie zwei Batteriekapazitäten (58 oder 77 kWh) erhältlich, was ihm eine Reichweite von bis zu 607 km im WLTP-Zyklus verleiht. Das Datenblatt listet drei Leistungsstufen auf: 167, 224 oder 343 PS. Das Design und die Verarbeitungsqualität sind sorgfältig ausgearbeitet und dürften potenzielle europäische Kunden ansprechen, zumal der Einstiegspreis (ab 39.600 €) ihn im Wettbewerb mit seinen fortschrittlicheren chinesischen Konkurrenten positioniert. Toyota hat sich mit der Markteinführung Zeit gelassen, doch der C-HR+ ist das Aushängeschild einer Elektro-Modellpalette, die in den kommenden Monaten erweitert werden soll (14 Modelle sind bis 2027 geplant).

    Elektrofahrzeuge „Made in Japan“

    Dass sich Toyota auf dem Markt für Elektrofahrzeuge bislang zurückhaltend gezeigt hat, liegt in erster Linie daran, dass der Konzern es vorzieht, seine eigenen Produktionsanlagen zu entwickeln, ohne Partnerschaften mit chinesischen Herstellern einzugehen. So entstanden eine spezielle e-TNGA-Plattform (electric Toyota New Global Architecture), ein e-Axle-Antriebsstrang (der Motor, Getriebe und Wechselrichter vereint), der vom japanischen Unternehmen Aisin geliefert wird, sowie Lithium-Ionen-Batterien von PPES (Prime Planet Energy & Solutions), die aus der Partnerschaft zwischen Panasonic und Toyota hervorgegangen sind. Der C-HR+ (genau wie der SUV bZ4X) wird in Japan hergestellt, wo die Produktionsqualität und der Ruf für Zuverlässigkeit unbestritten sind – ein Argument, das Kunden überzeugen dürfte, die noch zögern, den Schritt zur Elektromobilität zu wagen.

    Quelle: Toyota

    2025, ein Rekordjahr in Europa

    Dieser sanfte Einstieg in den Markt für Elektrofahrzeuge (BEV) ergänzt die weiteren Stärken des japanischen Giganten, nämlich eine geplante Multi-Technologie-Strategie: Kurzfristig liegt der Schwerpunkt auf Hybrid- und Plug-in-Hybridantrieben, in Erwartung eines steigenden Absatzes von Elektrofahrzeugen und eines Mix aus Elektro- und Wasserstoffantrieben auf längere Sicht.

    Dank seiner technischen Kompetenz kann Toyota daher die parallele Weiterentwicklung von Hybridfahrzeugen (HEV), Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEV) und Wasserstofffahrzeugen (Brennstoffzellen-FCEV) vorantreiben. Dabei werden die Verbrennungsmotoren nicht vernachlässigt, mit denen die großen Geländewagen wie der Land Cruiser ausgestattet sind, die in Amerika oder Afrika sehr beliebt sind.

    Denn um weltweit führender Automobilhersteller zu bleiben, passt sich die Toyota-Gruppe an alle Märkte an, deren Nachfrage sehr unterschiedlich ist. Im Jahr 2025 verkaufte Toyota weltweit 11,3 Millionen Fahrzeuge (+4,6 % gegenüber 2024). Europa verzeichnet ein Rekordjahr mit 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen, von denen drei Viertel elektrifiziert sind. Diese Zahlen bestätigen diese Multi-Energie-Strategie, da sich die Bedürfnisse je nach Ladeinfrastruktur, Strompreisen, lokalen Umweltstandards und verfügbaren Rohstoffen ändern.

    Quelle: Toyota

    Festkörperbatterien – die nächste „R-Evolution“ im Bereich Elektromobilität bei Toyota

    Auf der letzten Tokyo Motor Show im Jahr 2025 gab Toyota bekannt, dass ein kommendes Serienfahrzeug in wenigen Monaten mit „Festkörperbatterien“ (Solid-State-Batterien) ausgestattet sein wird. Diese Technologie, die sich noch im Prototypenstadium befindet, verspricht revolutionäre Neuerungen: leichte, kompakte Akkus, die eine deutlich höhere Energiedichte bieten als aktuelle Lithium-Batterien. Die Reichweite könnte sich verdreifachen und mit einer einzigen Ladung bis zu 1200 km betragen. Dieses Versprechen, das sich erst noch in einem realen Fahrzeug bewähren muss, zeigt, dass der japanische Gigant in seinem eigenen Tempo voranschreitet, seiner Roadmap folgt und sich wenig um seine Konkurrenten schert.

    Toyota auf der Tokyo Motor Show 2025 – Quelle: Le Journal De l’Automobile

    Hybridfahrzeuge – bei Toyota nach wie vor führend

    Seit der Markteinführung des Prius im Jahr 1997 hat Toyota weltweit mehr als 25 Millionen Hybridfahrzeuge produziert. Diese innovative Technologie, die einen Benzin- und einen Elektromotor kombiniert, kommt mittlerweile in allen Modellreihen zum Einsatz: vom Kleinwagen Yaris HSD über den RAV 4 und den Corolla bis hin zum Lexus RX, LS oder ES und bald auch im Kleinwagen Aygo X. In Europa haben die Zuverlässigkeit und die einfache Handhabung dieser Technologie die Autofahrer schnell überzeugt, die damit erhebliche Kraftstoffeinsparungen erzielen (etwa 3,3 l/100 km bei einer Kompaktlimousine wie dem Corolla Hybrid). 

    Die 5. Generation des Prius ist nun ein Plug-in-Hybrid und verzeichnet einen Rückgang des durchschnittlichen Durchschnittsverbrauchs auf 0,7 l/100 km im WLTP-Zyklus. Und wenn die Batterie vollständig entladen ist, funktioniert der Prius wie ein sparsamer Vollhybrid, was bei seinen Konkurrenten nicht der Fall ist. Damit werden die gesetzlichen Anforderungen der EU erfüllt. Auch wenn seine Marktanteile bei den Plug-in-Hybriden noch bescheiden sind, zeigt der japanische Konzern, dass er in der Lage ist, seine Bemühungen um CO₂-Neutralität zu verstärken.

    Ein weiterer Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an die Märkte ist die Entwicklung eines Flexfuel-Hybridmotors speziell für Lateinamerika, der sowohl mit Benzin als auch mit dem insbesondere in Brasilien sehr beliebten Superethanol E85 betrieben werden kann.

    Quelle: Toyota

     

    Wasserstoff, die Energie der Zukunft: Toyota setzt darauf

    Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern glaubt Toyota nicht an eine Einheitslösung für die Dekarbonisierung und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit Wasserstoff. Der H2, der eine Brennstoffzelle versorgt, stellt eine glaubwürdige und emissionsfreie Alternative dar, insbesondere für den Straßenverkehr, Busse oder Unternehmensflotten. Die Limousine Mirai, die mit einer kompakteren und effizienteren Brennstoffzelle der 3. Generation ausgestattet ist, hat jedoch aufgrund ihres Preises (73.000 €) und vor allem des Mangels an Wasserstofftankstellen Schwierigkeiten, bei Privatkunden Fuß zu fassen. 

    Quelle: Toyota

    Toyota will also mit dem im September 2025 in der japanischen Hauptstadt ins Leben gerufenen Projekt TOKYO H2 das gesamte Ökosystem der Wasserstoffbranche neu gestalten: den Fahrzeugbestand (Taxis, PKWs, Busse), Tankstellen in der ganzen Stadt, die Infrastruktur sowie die Wasserstoffproduktion. Eine Flotte von 600 Crown H2-Taxis soll bis 2030 zunächst auf den Straßen Tokios verkehren. Die Stadt wird so zu einem realen Testfeld, um diese sich ständig weiterentwickelnde Technologie zu perfektionieren und die Öffentlichkeit für diese neue saubere Energie zu sensibilisieren. Als Hub konzipiert, kann dieses Pilotprojekt auch an anderen Orten weltweit umgesetzt werden und weiterhin den Stempel von Toyota tragen. 

    Quelle: Toyota

    Der Weltmarktführer hat also seine „multitechnologische“ Eroberung in den 170 Ländern, in denen er vertreten ist, noch nicht abgeschlossen.

  • Kann Mobilität wirklich umweltfreundlich sein? 

    Kann Mobilität wirklich umweltfreundlich sein? 

    Spoiler: Nein. Zum Beispiel ist ein Auto – selbst ein Elektroauto – per Definition ein Gegenstand, der erst hergestellt und dann mit Energie versorgt werden muss; daher werden Autos und der Verkehr im Allgemeinen niemals zu 100 % umweltfreundlich sein. Es gibt jedoch Lösungen, um die Umweltbelastung durch Autos so weit wie möglich zu reduzieren. 

    Auch wenn der Elektroantrieb eine zwingende Voraussetzung ist, um überhaupt von einem „grünen“ Auto sprechen zu können, gibt es sowohl bei der Konstruktion als auch im Betrieb weitere Lösungen, mit denen die Auswirkungen des Autos auf den Planeten noch weiter verringert werden könnten. ECO MOTORS NEWS hat sich an Aurélien Bigo gewandt, einen unabhängigen Forscher, Mitglied des Lehrstuhls für Energie und Wohlstand, ehemaliger Mitarbeiter der ADEME, dessen Dissertation sich mit dem Thema Verkehr vor dem Hintergrund der Energiewende befasste. Die richtige Person, um uns in dieser Frage aufzuklären. 

    Das Auto schon bei der Konzeption umweltfreundlicher gestalten

    Schon bevor ein Auto das Werk verlässt, hat es bereits enorme Umweltbelastungen verursacht. Dies gilt umso mehr für Elektroautos. Denn obwohl sie während ihres Lebenszyklus deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, hat ihre Herstellung weitaus größere negative Auswirkungen, sodass sie ihre CO₂-Bilanz erst im Laufe der Kilometer (etwa 30.000 Kilometer) ausgleichen müssen. Es gibt jedoch bewährte Vorgehensweisen, die bereits bei der Konzeption berücksichtigt werden können und die es ermöglichen würden, diese Lücke zu verringern. 

    Der elektrische Porsche Macan wird derzeit im Werk in Leipzig montiert
    Die Produktion des elektrischen Macan im Porsche-Werk in Leipzig verdeutlicht den Aufschwung der Elektromobilität.

    Zunächst einmal stellt sich die Frage nach dem Gewicht. Laut Aurélien Bigo „verursacht die Herstellung eines Fahrzeugs umso weniger Emissionen, je leichter es ist, und desto kleiner kann seine Batterie sein, was dessen Auswirkungen begrenzt“, und der Forscher empfiehlt daher, „die Batterien so zu dimensionieren, dass ihre Reichweite den täglichen Fahrten entspricht und nicht sehr langen Strecken“, um ihre Größe und den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung zu reduzieren. In diesem Sinne wird es notwendig sein, die Batterien zu optimieren, um die pro kWh benötigte Materialmenge zu reduzieren. 

    Aurélien Bigo weist zudem darauf hin, dass es unerlässlich ist, die Lebensdauer von Fahrzeugen zu verlängern, insbesondere durch Reparaturen, aber auch „durch die weitere Nutzung trotz der allmählichen Abnahme der Batterieleistung“. Die Lebensdauer eines Autos zu verlängern ist unerlässlich, da Strom in Frankreich bereits CO₂-arm ist. Wie der Forscher erklärt, „liegt die größte Umweltbelastung eines Autos in seiner Herstellung, und diese muss über einen möglichst langen Zeitraum abgefedert werden“. 

    Auch wenn man bei den Umweltauswirkungen eines Elektroautos zunächst an dessen Herstellung denkt, muss man sich doch auch die Frage nach dem Aufladen stellen. Bereits bei der Konzeption kann es sinnvoll sein, die Integration von Vehicle-to-Grid- (V2G) und Vehicle-to-Home- (V2H) Technologien zu fördern, die es dem Auto ermöglichen, Energie ins Netz zurückzuspeisen bzw. als Stromgenerator für das Haus zu fungieren. Abgesehen von den Einsparungen für den Besitzer trägt dies auch dazu bei, die Belastung des Netzes zu verringern und dessen Verbrauch zu senken. 

    Die fünf Hebel der nationalen Strategie für eine kohlenstoffarme Wirtschaft 

    Aurélien Bigo erinnert an die fünf Hebel, die in der Nationalen Strategie für einen kohlenstoffarmen Verkehr (SNBC) identifiziert wurden, um die Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt zu verringern. Und da alles gut durchdacht ist, sind sie nach steigendem Schwierigkeitsgrad bei der Umsetzung geordnet. 

    Der erste Schritt besteht ganz einfach darin, weniger Auto zu fahren. Diese Zurückhaltung bei den Fahrten führt zu einer Verringerung der täglich zurückgelegten Kilometer, indem das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgebaut wird, aber auch, indem „Wohnorte, Arbeitsplätze und Dienstleistungsangebote näher zusammengebracht werden“. 

    Dann gibt es noch die Verkehrsverlagerung: Zu Fuß gehen, Radfahren und öffentliche Verkehrsmittel sollen bevorzugt werden. Auch wenn Aurélien Bigo einräumt, dass dieser Hebel „in Ballungsgebieten leichter zu betätigen ist als in ländlichen Gebieten“, gibt er die Hoffnung auf die Entwicklung der sanften Mobilität in eben diesen ländlichen Gebieten nicht auf. Die Förderung von Fahrgemeinschaften, ein weiterer der fünf Hebel, könnte übrigens in diese Richtung gehen. 

    Der vierte Hebel betrifft direkt ECO MOTORS NEWS, da es darum geht, die Energieeffizienz durch sparsamere Fahrzeuge und die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands zu verbessern. Der fünfte Hebel schließlich besteht ganz einfach darin, die Energieversorgung zu dekarbonisieren, indem Erdöl durch kohlenstoffärmere Energieträger, darunter Strom, ersetzt wird. 

    Laut Aurélien Bigo ergänzen sich diese Hebel: „Einige erfordern tiefgreifendere gesellschaftliche und räumliche Veränderungen, führen aber zu den stärksten Emissionsminderungen. Andere erfordern weniger Veränderungen im Lebensstil, senken die Gesamtbelastung jedoch weniger stark.“ Entscheidend ist daher, ein gutes Gleichgewicht zu finden, um das Ziel einer wirklich umweltfreundlichen Mobilität zu erreichen. 

  • „Das Elektroauto genauso erschwinglich und praktisch machen wie das Auto mit Verbrennungsmotor“ – Maxime Bayon de Noyer (Ampere)

    „Das Elektroauto genauso erschwinglich und praktisch machen wie das Auto mit Verbrennungsmotor“ – Maxime Bayon de Noyer (Ampere)

    Ampere, ein aus der Renault Group hervorgegangener europäischer Spezialist für intelligente Elektrofahrzeuge, spielt eine Schlüsselrolle in der Innovationsstrategie des Konzerns. Maxime Bayon de Noyer, Leiter für Technologien und Vorlaufprojekte, erläutert uns die Prioritäten, die wichtigsten Forschungsschwerpunkte und die Herausforderungen im Zusammenhang mit der nächsten Generation von Elektrofahrzeugen.

    Porträt von Maxime Bayon de Noyer, Leiter Technologie bei Ampere Renault
    Maxime Bayon de Noyer, verantwortlich für Technologieprojekte bei Ampere – Renault Group.


    Welche Rolle spielt Ampere innerhalb des Renault-Konzerns, und welche Rolle übernehmen Sie bei Ampere?
    Maxime Bayon de Noyer
    : Ampere ist ein Technologieunternehmen im Dienste der Renault-Gruppe, das Elektrofahrzeuge (EV) unter der Marke Renault entwickelt und EV-Technologien sowie Software für andere Marken (Alpine, Nissan, Mitsubishi…) bereitstellt. Das Ziel von Ampere ist es, Elektrofahrzeuge in Europa einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Meine Aufgabe besteht darin, die sogenannten „vorgelagerten“ Technologieprojekte zu leiten, also… vor der eigentlichen Entwicklung! Wir sind von der Forschungsphase bis zur Übergabe an die Serienentwicklungsteams tätig.

    Was sind derzeit Ihre Prioritäten im Bereich Innovation?
    Maxime Bayon de Noyer
    : Um Elektrofahrzeuge in Europa für alle zugänglich zu machen, müssen die Kosten gesenkt und die Einsatzmöglichkeiten maximiert werden. Um die Preise für Batterien zu senken, arbeiten wir daher an den verwendeten Materialien und denken über neue chemische Zusammensetzungen nach. Was die Elektromotoren betrifft, so ist die Renault Group Vorreiter bei Motoren mit gewickelten Rotoren ohne Magnete und somit ohne Seltene Erden (insbesondere beim Zoé). Bei Ampere setzen wir diese Technologie in unseren nächsten Motorengenerationen fort und verbessern sie, um ihre Leistung zu steigern, indem wir beispielsweise die Verluste bei der Energieübertragung verringern.

    Welche Ansätze verfolgen Sie konkret, um die Batterien zu verbessern?
    MBN:
    Kurzfristig werden wir die LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) in unseren Batterien einführen, mittelfristig prüfen wir eine kobaltfreie Chemie, die die Energiedichte von NMC (Nickel-Mangan-Kobalt) aufweist, aber die Kosten und die Toleranz von LFP bietet. Schließlich werden wir in zehn Jahren eine noch leistungsfähigere Chemie auf Lithium-Metall-Basis anbieten. Das Ziel ist es, immer effizientere und kostengünstigere Batterien anzubieten.

    Was wird Ihrer Meinung nach die nächste große technologische Revolution in der Automobilbranche sein?
    MBN: Meiner Ansicht nach wird die Revolution aus einer Veränderung der Nutzungsgewohnheiten resultieren. Das Ziel ist ein effizientes Elektroauto mit schnellen, optimierten und zuverlässigen Lademöglichkeiten, unabhängig von der Jahreszeit oder der Art der Straße. Und das bei einem Preis für das Elektrofahrzeug, der dem eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor entspricht.

    Der von Ampere entwickelte magnetlose Elektromotor für den neuen Renault 5
    Der von Ampere entwickelte Motor des Renault 5 setzt auf Effizienz ohne Seltene Erden.

    Der R5 hat das bidirektionale Laden in das Renault-Sortiment eingeführt. Was ist der Vorteil für den Verbraucher?
    MBN:
    Bei V2L (Vehicle to Load) ermöglicht das bidirektionale Laden, das Auto als Generator und somit als mobile Steckdose zu nutzen, und bei V2G (Vehicle-To-Grid) kann das Fahrzeug, wenn es geparkt ist, Energie ins Netz zurückspeisen, wie ein Mini-Kraftwerk. Diese zurückgespeiste Energie ist in Zeiten hoher Nachfrage wertvoll: Sie stabilisiert das Netz, verhindert Stromausfälle … und kann weiterverkauft werden, wodurch der Nutzer Einnahmen erzielt. Schließlich kann das Fahrzeug im V2H-Modus (Vehicle-to-Home), der ab 2026 verfügbar sein wird, das Haus wie ein mobiles Solarpanel mit Strom versorgen. So lässt sich beispielsweise die in der Batterie gespeicherte Energie zu Spitzenzeiten nutzen, um die Stromrechnung zu senken. Das System wird durch KI gesteuert und gewährleistet stets die für Fahrten erforderliche Reichweite.

    Gibt es weitere Innovationen, die Sie uns verraten können?
    MBN: Einige davon sind noch vertraulich, aber wir arbeiten derzeit an der Erneuerung unseres C-Segments („Kompaktwagen mit zwei- und dreiteiliger Karosserie“, Anm. d. Red.), mit einem neuen Antrieb, der auf der Autobahn eine sehr gute Effizienz bietet. Dieser Fortschritt wird durch eine innovative Plattform ermöglicht, die ein bahnbrechendes Design und eine umfassende Optimierung erlaubt. Bei Ampere ist unser Ziel klar: Elektrofahrzeuge so erschwinglich, attraktiv und praktisch wie Verbrenner zu machen. Und das ist keine Science-Fiction.

    Noch ein Wort zu China: Sind sie wirklich zehn Jahre voraus?
    MBN: Sie haben einen Vorsprung, aber wir bleiben voll im Rennen. Unsere Stärke liegt in unserer fundierten Kenntnis des französischen und europäischen Marktes, die wir im Laufe der Jahre erworben haben. Dieses Fachwissen verschafft uns einen strategischen Vorteil, da wir die Erwartungen und Bedürfnisse unserer Kunden genau verstehen. Dennoch bleiben wir angesichts ihrer Effizienz, Organisation und Schnelligkeit bescheiden. In diesem Sinne bleiben wir wachsam und haben ein Büro in Shanghai eröffnet, um die Marktentwicklungen besser beobachten und antizipieren zu können.

  • Ein 100 % elektrischer Sommer: stressfreies Aufladen auf französischen Autobahnen

    Ein 100 % elektrischer Sommer: stressfreies Aufladen auf französischen Autobahnen

    Die Sommerferien stehen vor der Tür, und immer mehr Autofahrer werden sie am Steuer eines Elektroautos verbringen. Auch wenn Fahrkomfort und Geräuscharmut überzeugen, bleibt eine Frage offen: Wie lässt sich das Aufladen auf dem Weg in den Urlaub am besten organisieren? Auf den französischen Autobahnen, insbesondere denen des VINCI-Netzes, ist die Infrastruktur bereit. Man muss nur wissen, wie man sie nutzt. Hier ein praktischer Artikel für eine sorgenfreie Reise, ergänzt durch die Erläuterungen von Olivier Granier, Leiter der kommerziellen Anlagen bei VINCI Autoroutes.

    Bildnachweis: Cyril Crespeau
    Bildnachweis: Cyril Crespeau


    Alle 80 km eine Ladestation: Das Versprechen wurde eingehalten

    Gute Nachrichten: Das Aufladen auf der Autobahn ist kein Problem mehr. Auf den großen Verkehrsadern wie der A7, der A10, der A61 oder der A75 sind nun alle Raststätten mit Schnellladestationen ausgestattet. VINCI Autoroutes, das ein Netz von mehr als 4.400 km verwaltet, hat bereits 100 % seiner Raststätten ausgestattet, was mehr als 300 Ladestationen und eine Abdeckungsrate von 90 % bei ultraschnellen Ladestationen entspricht.

    Wir haben bereits 2020 in Zusammenarbeit mit den großen Akteuren der Branche ein umfangreiches Ausbauprogramm gestartet, um dem steigenden Verkehrsaufkommen durch Elektrofahrzeuge, insbesondere in der Sommerzeit, gerecht zu werden“, erklärt Olivier Granier. Das Ziel, das sich der französische Konzern gesetzt hatte, ist erreicht: maximal alle 80 Kilometer eine Ladestation im Netz anzubieten, um sorgenfreie Langstreckenfahrten zu gewährleisten.

    Vielfältige Partner und ein Nutzererlebnis im Mittelpunkt des Konzepts

    An den installierten Ladestationen lässt sich die Batterie in der Regel in weniger als 30 Minuten zu 80 % aufladen. Einige Stationen bieten bis zu 16 Ladeplätze gleichzeitig an, und die Vielfalt der vertretenen Betreiber – Ionity, TotalEnergies, Fastned, Driveco, Tesla … – gewährleistet eine gute Interoperabilität, unabhängig vom Fahrzeugmodell.

    Doch die technische Leistungsfähigkeit ist nicht das einzige Anliegen der Akteure im Bereich der Ladestationen; das Nutzererlebnis ist von noch größerer Bedeutung. Um diesen Übergang zu erleichtern und den Fahrern von Elektrofahrzeugen beim Aufladen zu helfen, wurde die Aktion „Gilets Bleus“ ins Leben gerufen: eine Sommerinitiative von VINCI Autoroutes, bei der das Personal vor Ort mobilisiert wird, um den Fahrern an den Raststätten während der großen Urlaubsreisezeiten zu helfen, sie zu informieren und für ihre Sicherheit zu sorgen.

    Bildnachweis: Jacques Wisdorff
    Bildnachweis: Jacques Wisdorff


    Vereinfachte Zahlungsabwicklung und digitale Tools als Hilfe

    Dieser Komfort erstreckt sich bis hin zur Bezahlung, denn heute muss man kein Experte mehr sein, um an der Autobahn aufzuladen. Die meisten Ladestationen akzeptieren Zahlungen per Kreditkarte oder QR-Code. Sie können auch die mobilen Apps der Betreiber nutzen oder netzwerkübergreifende Ausweise wie Chargemap oder Shell Recharge verwenden. Im Bereich der digitalen Dienste unterstützt die von VINCI Autoroutes entwickelte App „Ulys“ die Nutzer auf ihren Fahrten auf den französischen Autobahnen. „Mit unserer App können Autofahrer die Ladestationen lokalisieren, deren Verfügbarkeit in Echtzeit abrufen und ihre Route unter Einbeziehung der Ladepausen planen“, erklärt Olivier Granier.

    Vorausschauend handeln, um Besucheranstürme zu vermeiden

    Im Sommer können bestimmte Raststätten stark frequentiert sein, insbesondere an den sogenannten „schwarzen Samstagen“. VINCI Autoroutes ist sich dessen bewusst und verstärkt in dieser Zeit die technische Überwachung sowie die Wartungsarbeiten. „Wir haben eine zentrale Überwachung eingerichtet und Teams, die rund um die Uhr im Einsatz sind, insbesondere zu den großen Abfahrtszeiten“, erklärt Olivier Granier.

    Sein Rat an Autofahrer: Warten Sie mit dem Aufladen nicht bis zur letzten Minute. Planen Sie Ihre Stopps daher im Voraus, laden Sie auf, sobald die Reichweite unter 30 % fällt, und überprüfen Sie regelmäßig den Status der Ladestationen über spezielle Apps. Es ist besser, einen Stopp an einer Raststätte etwas früher auf der Strecke einzuplanen, als zu riskieren, in der Hitze warten zu müssen.

    VINCI AUTOROUTES; Ulys; Montpellier; elektronische Mauterhebung


    Die Autobahn ist fertig, jetzt liegt es an euch, euch zu organisieren

    Das gut ausgebaute Netz, die Vielzahl an Anbietern, die digitalen Tools und der Komfort an den Raststätten machen das Elektroauto zu einer ernstzunehmenden Option für den Urlaub. Der Schlüssel liegt in der Vorausplanung. Man sollte das Aufladen als nützliche und angenehme Pause in die Reise einplanen und nicht als Zwang betrachten. Fahren Sie diesen Sommer mit voller Ladung und ganz entspannt los.