Lotus, die legendäre britische Marke, die vom Ingenieur Colin Chapman gegründet wurde, durchlebt seit einigen Jahren einige Turbulenzen. Am Rande des Bankrotts wurde der Hersteller vom chinesischen Giganten Geely übernommen. Aus dieser Übernahme entstand eine neue Strategie, die auf sportliche Elektrofahrzeuge ausgerichtet ist und deren wichtigster Vertreter seit 2023 der imposante SUV Eletre ist. Eco Motors News hat die radikalste Variante dieses Modells getestet: den Eletre 900 SC (für „Sport Carbon“) mit 918 ch und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in weniger als 3 s!

Ein Vorreiter unter den elektrischen Super-SUVs
Für Liebhaber des sportlichen Autofahrens kommt die Kombination der Begriffe „Elektro“ und „SUV“ einer abwegigen und unvereinbaren Idee gleich. Wenn dies dann auch noch bei Lotus geschieht, der Marke des Ingenieurs Colin Chapman (und seiner berühmten Formel: „Light is right“, was so viel bedeutet wie: „Je weniger Gewicht, desto besser für die Leistung“), dann wirkt der Eletre 900 SC wie ein Widerspruch in sich. Kann ein Elektro-SUV supersportlich sein? Genau diese Herausforderung wollte Lotus, das inzwischen unter chinesischer Führung steht, annehmen. Bei seiner Markteinführung im Jahr 2023 hatte der Eletre im Nischenmarkt der elektrischen Super-SUVs Konkurrenten wie den Tesla Model X oder den BMW iX M60. Nun gesellt sich der luxuriösere elektrische Porsche Cayenne dazu.

Der leistungsstärkste Serien-Lotus, abgesehen von den Hypercars
Im technischen Datenblatt des Eletre 900 SC sind die Angaben eindeutig: ein Betriebsgewicht von 2.700 kg, eine Leistung von 918 ch, die auf den permanenten Allradantrieb übertragen wird, ein Radstand von über 3 m und eine Bodenfreiheit von über 18 cm bei im Boden untergebrachtem Batteriepaket, was für einen Supersportwagen einen relativ hohen Schwerpunkt zur Folge hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Eletre 900 SC der größte und leistungsstärkste Lotus in der Geschichte des Herstellers ist – abgesehen vom Hypercar Evija. Doch bietet der Eletre ein Fahrerlebnis, das seinen prestigeträchtigen Vorgängern und dem Ruf von Lotus gerecht wird?

Von Luftströmen geformt
Optisch bleibt er nicht unbemerkt. Er ist 5,10 m lang, 2,23 m breit (einschließlich der Kameraspiegel), aber mit einer Höhe von nur 1,63 m unter dem Dach recht gedrungen. Das Design ist massiv, doch die Linienführung ist durch sorgfältige aerodynamische Arbeit geprägt (Cw-Wert von 0,26), die insbesondere Lufteinlässe erkennen lässt, die sich von der Motorhaube über die schräg abfallende Windschutzscheibe bis hin zu den Radkästen erstrecken. Diese Hohlräume, die bis zu sieben Luftströme leiten, verleihen dem Fahrzeug nicht nur einen von Supersportwagen inspirierten Look, sondern ermöglichen auch eine bessere Kühlung der Batterien und Bremsen. Diese aerodynamischen Details finden sich auch am Heck wieder, das mit einem zweiteiligen Dachspoiler und einem dynamischen Heckflügel ausgestattet ist, der sich ab 110 km/h in die Hochstabilitätsposition ausfährt und sich senkrecht aufrichtet, um als Luftbremse zu dienen.
Der Eletre besticht durch ein raffiniertes Design mit LED-Scheinwerfern, während am Heck eine durchgehende Leuchtleiste die Dynamik unterstreicht. Obwohl es ihm nicht an Charakter mangelt, ist es schwierig, ihn auf den ersten Blick als Lotus zu erkennen.
Zu den gelungenen Designelementen zählen die zahlreichen Carbon-Einsätze, die den sportlichen Charakter des Eletre unterstreichen, ebenso wie der aktive Kühlergrill, der sich öffnet, um die Komponenten zu kühlen und den Luftwiderstand zu verringern: Er ist wie eine Lotusblüte gestaltet.

Der Service an Bord entspricht den Maßstäben des Luxus
Paradoxerweise ist der Eletre zwar imposant, lässt sich aber dennoch mühelos durch die Pariser Straßen manövrieren – nicht zuletzt dank der zahlreichen Kameras, die einen 360°-Panoramablick ermöglichen. Die Radarsensoren, Sensoren und das Lidar-System, mit denen das Auto ausgestattet ist, zeigen auf dem zentralen Bildschirm die Verkehrslage um uns herum an. Man kann die anderen Verkehrsteilnehmer in der Umgebung in Echtzeit gut erkennen, egal ob es sich um Autos oder Zweiräder handelt. Das ist nützlich und beruhigend.
Lotus hat sich dafür entschieden, die Außenspiegel durch unauffällige und besser in die Karosserie integrierte Kameras zu ersetzen, allerdings sind die Bildschirme für den Fahrer zu tief angebracht und können die Sicht beeinträchtigen.
Das Cockpit ist als sehr einhüllendes, auf den Fahrer ausgerichtetes Design konzipiert – es bietet eine ideale Sitzposition und lässt sich leicht bedienen. Die Benutzeroberfläche ist ergonomisch, übersichtlich und recht intuitiv. Das KI-gestützte Infotainment-System erfordert keine Eingewöhnungszeit. Auf dem riesigen zentralen 15,1-Zoll-OLED-Bildschirm lassen sich die Anwendungen mit dem Finger schnell und einfach bedienen – so einfach wie bei Ihrem Smartphone.
Die Ausstattung an Bord entspricht den Maßstäben von Luxusautos: Leder, Alcantara, Karbonverkleidungen und eine hochwertige Anmutung. Es gibt nur wenige physische Bedienelemente – Lotus setzt auf Raffinesse. Das Lenkrad mit seinen großen Schaltwippen (zum Aktivieren der Bremsenergie-Rückgewinnung oder zur Auswahl des Fahrmodus) strahlt Rennsport und Technologie aus. Zweifellos gehört der Eletre zur Spitzenklasse der sportlichen Premium-SUVs, zusammen mit dem Bentley Bentayga oder dem Lamborghini Urus.
Der SUV von Lotus bietet Platz für 5 Personen bei höchstem Komfort. Der Kofferraum ist ebenfalls sehr geräumig (688 l Fassungsvermögen), hinzu kommt ein kleiner „Frunk“ mit 46 l Fassungsvermögen unter der Motorhaube.

Adaptive Federung und Fahrkomfort
Am Steuer schätzt man die Präzision und das präzise Fahrwerk. Die adaptive Federung und die aktive Wankstabilisierung arbeiten Hand in Hand mit der Drehmomentverteilung beim Bremsen. Das Gesamtpaket ist harmonisch abgestimmt und sorgt für Komfort an Bord sowie Effizienz auf der Straße. Für den Fahrer sind die lenkbaren Hinterräder ein wahrer Genuss, da sie diesem imposanten Fahrzeug eine bessere Wendigkeit verleihen. Diese Technologien bereichern das Fahrerlebnis, das zwar sportlich ausgelegt ist, sich im „Tour“-Modus – also der komfortabelsten Fahrmodus-Einstellung – jedoch durchaus auch entspannt präsentieren kann.

Die sportliche DNA von Lotus bleibt erhalten
Lotus Cars gehört seit 2017 zum chinesischen Geely-Konzern, zu dem auch Volvo und Polestar gehören. Der Eletre ist übrigens der technische Bruder des SUV Polestar 3, behält jedoch mehr sportliche Besonderheiten bei, die an die Tradition von Lotus anknüpfen. Der Eletre 900 SC (Sport Carbon) verfügt somit über zwei Hochleistungs-Elektromotoren (einen pro Achse), die eine Leistung von 675 kW, also insgesamt 918 ch, entwickeln. Der Allradantrieb verfügt über zwei Gänge, deren Wechsel im Fahrbetrieb nicht wahrnehmbar ist. Das Drehmoment bei der Beschleunigung beträgt 985 Nm. Das reicht aus, um Sie bei jedem Tritt auf das rechte Pedal tief in den Sitz zu drücken. Im „Track“-Modus, dem extremsten Modus, droht dem Insassen, der auf eine solche Wildheit nicht vorbereitet ist, fast schon ein Schleudertrauma. Ja, so groß und schwer der Eletre auch ist, er ist ein spritziges und extrem reaktionsfreudiges Elektrofahrzeug. Eine Lebendigkeit, die sein Gewicht vergessen lässt und dem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Er beschleunigt in 2,95 Sekunden von 0 auf 100 km/h, was für einen solchen Koloss eine echte Meisterleistung ist. Besser noch: Auf der Autobahn beschleunigt er kraftvoll von 80 auf 120 km/h in weniger als 2 s. Man spürt das Gesamtgewicht (das mit Passagieren und Gepäck über 3 T betragen kann) fast gar nicht. Seine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 296 km/h.

Reichweite von 450 km
Leider sind diese Leistungen wohl nur vorübergehend, wenn man die Energieanzeige betrachtet, die unter diesen elektrischen Beschleunigungsschüben rapide sinkt. Bei einer angegebenen Reichweite von 450 km wird es schwierig sein, bei dynamischer Fahrweise mehr als 300 km zurückzulegen. Die Batterien basieren auf Lithium-Ionen-Chemie und haben eine Kapazität von 112 kWh. Dank seiner 800-V-Architektur kann der Eletre mit Gleichstrom-Ladeleistungen von bis zu 350 kW aufgeladen werden. Das bedeutet eine Aufladung von 10 auf 80 % in 20 Minuten. In diesem Punkt schneidet Lotus nicht besser ab als die Konkurrenz, das Tesla Model X oder der elektrische Porsche Cayenne.

Ab 101.590 €
In seiner leistungsstärksten und exklusivsten Version, dem 900 SC, bietet der Eletre somit ein echtes Vergnügen in Sachen Komfort und Fahrfreude und bringt Sie mühelos auf hohe Geschwindigkeiten. Selbst wenn die Straße kurviger wird, verzeihen die elektronische Lenkung und das dynamische Fahrwerk auch etwas zu sportliches Fahren.
Zwar entspricht die Leistung der elektrischen Antriebstechnik den Erwartungen, die Lotus-Fans haben mögen, doch strömen die Kunden noch nicht in Scharen in die Autohäuser. Liegt das vielleicht an seinem übertrieben hohen Preis? Das Modell 900 SC ist ab 163.090 € erhältlich, unser Testmodell kostet jedoch über 171.910 € inkl. MwSt. Das ist im Vergleich zu den auf dem Markt erhältlichen Super-SUVs mit V8-Verbrennungsmotor sehr teuer. Insgesamt entspricht die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bei potenziellen Käufern im Ultra-Luxus-Segment nicht den Investitionen der Marken.

Eletre Hybrid X, der Plug-in-Hybrid mit 952 ch
Aufgrund ausbleibender Bestellungen passt Lotus seinen Plan an. Und hat daher gerade ein neues Angebot hinzugefügt: eine Plug-in-Hybrid-Version des Eletre (350 km Reichweite im reinen Elektrobetrieb und 1200 km im kombinierten Betrieb). Das Modell mit dem Namen „Hybrid X“ ist mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Verbrennungsmotor und einer 70-kWh-Batterie ausgestattet und mit einer Gesamtleistung von 952 ch sowie einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,3 s das leistungsstärkste Eletre-Modell. Auch wenn diese teilweise Rückkehr zum Verbrennungsmotor einige Lotus-Fans ansprechen mag, ist es fraglich, ob dies ausreicht, um den Eletre zu einem der markantesten Super-SUVs seiner Zeit zu machen.
Anmerkungen:
Reichweite: 3,5/5
Fahrvergnügen: 4/5
Vielseitigkeit: 3/5
Komfort: 4/5
Technologie: 4/5
Technische Daten:
Lotus Eletre 900 SC (112 kWh)
Leistung: 918 ch
Drehmoment: 985 Nm
Reichweite: 450 km
Ladezeit von 10 % auf 80 %: 20 Min. (350 kW Gleichstrom)
0–100 km/h: 2,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 296 km/h
Kofferraumvolumen: 688 l + 49 l (vorne)
Preis des getesteten Modells: 171.910 €
Preise für die SUV-Baureihe Eletre: ab 101.590 €
